In Deutschland sparen die Menschen – im europäischen Vergleich – relativ viel. Die Sparquote der privaten Haushalte liegt regelmäßig über dem EU-Durchschnitt. Und dennoch: Ein erheblicher Teil der Deutschen hat keine ausreichende Altersvorsorge, keine Notfallreserve und kämpft mit Konsumschulden. Das Wissen um die Wichtigkeit des Sparens und das tatsächliche Sparverhalten klaffen auseinander.
Present Bias: Das Gehirn bevorzugt Jetzt
Das größte psychologische Hindernis beim Sparen ist der sogenannte Present Bias: das Gehirn bewertet Belohnungen, die jetzt kommen, systematisch höher als gleich große Belohnungen in der Zukunft. Das Gehirn ist evolutionär nicht auf langfristiges Sparen ausgelegt – kurzfristiger Konsum hat unsere Vorfahren am Leben gehalten; zukünftige Belohnungen waren unsicher.
Das bedeutet: 100 Euro heute fühlen sich mehr wert an als 120 Euro in einem Jahr – auch wenn die Ratio objektiv für das Warten spricht. Dieses Phänomen erklärt, warum Menschen Konsum gegenüber Sparen systematisch bevorzugen, selbst wenn sie es besser wissen.
Was Verhaltensökonomen empfehlen
Die wichtigste Erkenntniss der Verhaltensökonomie beim Sparen: Mache das Sparen automatisch. Wenn Geld erst aufs Girokonto geht und dann überwiesen werden soll, wird ein erheblicher Teil konsumiert. Wenn Geld automatisch nach Gehaltseingang abgebucht wird, wird es stattdessen gespart. Richard Thaler, Wirtschaftsnobelpreisträger 2017, hat das Konzept „Save More Tomorrow" entwickelt: Menschen verpflichten sich im Voraus, zukünftige Gehaltserhöhungen zu einem festen Anteil zu sparen.
Das Konto-Trick-Problem
Mentale Konten helfen beim Sparen: Geld, das ein eigenes Konto hat (Urlaubskonto, Notfallkonto), wird seltener konsumiert als Geld auf dem Girokonto. Der physische und psychologische Abstand hilft, den Present Bias zu überwinden. Digitale Banken wie N26 oder DKB bieten inzwischen Unterkonten an, die genau das ermöglichen.
Warum Sparregeln oft scheitern
„50-30-20" (50% Fixkosten, 30% Konsum, 20% Sparen) ist eine populäre Faustregel. Sie scheitert oft, weil Fixkosten in Deutschland häufig mehr als 50% des Einkommens verbrauchen – besonders in Städten mit hohen Mieten. Starre Regeln, die nicht zur individuellen Situation passen, werden aufgegeben. Bessere Herangehensweise: Pay-yourself-first – erst den Sparbetrag abziehen, dann den Rest ausgeben.