In Japan gibt es einen Begriff: „Kodawari" – das Festhalten an einer Lebensweise über Generationen hinweg. In Deutschland erleben wir gerade das Gegenteil: Familien wohnen getrennt, Großeltern fern von Enkeln, alte Menschen allein. Aber ein Gegentrend wächst.

Was Mehrgenerationenwohnen ist

Mehrgenerationenwohnen bezeichnet Wohnformen, bei denen Menschen verschiedener Altersgruppen bewusst zusammenleben – nicht unbedingt in einer Wohnung, aber im gleichen Haus oder Wohnprojekt. Das Bundesfamilienministerium fördert seit Jahren Mehrgenerationenhäuser als Begegnungsorte. Darüber hinaus gibt es eine wachsende Zahl privater Wohnprojekte, in denen Menschen aller Altersgruppen bewusst zusammenleben.

Was es bringt

Für ältere Bewohner: Mehr soziale Kontakte, weniger Einsamkeit, informelle Unterstützung im Alltag. Für jüngere Familien: Günstigere Wohnkosten durch geteilte Ressourcen, Unterstützung bei der Kinderbetreuung, Weitergabe von Erfahrung. Für Kinder: Kontakt zu Menschen verschiedener Generationen, der in nuklearen Kleinfamilien fehlt und der zur sozialen und emotionalen Entwicklung beiträgt.

Herausforderungen

Mehrgenerationenwohnen klingt idyllisch, hat aber reale Herausforderungen: unterschiedliche Ruhebedürfnisse und Lärmpegel, unterschiedliche Werte und Lebensrhythmen. Projekte, die gut funktionieren, haben in der Regel klare Strukturen: gemeinsame Räume und Regeln, definierte Erwartungen, Konfliktlösungsmechanismen. Der Erfolg hängt weniger von der Idee ab als von der Kommunikationsqualität der Beteiligten.

Was die Städte lernen können

In Zeiten von Wohnungsnot und demografischem Wandel sind Mehrgenerationenwohnprojekte nicht nur ein soziales, sondern auch ein stadtplanerisches Konzept. Städte wie Tübingen, Freiburg und Hamburg haben Modellprojekte gefördert. Die Ergebnisse zeigen: Wo Generationen zusammenleben, entstehen lebendige, sichere und resilienter Quartiere.

Informationen: Das Bundesministerium für Familie betreibt ein Verzeichnis von Mehrgenerationenhäusern: mehrgenerationenhaeuser.de. Für private Wohnprojekte bietet das Forum Gemeinschaftliches Wohnen (fgw-ev.de) Beratung und Vernetzung.