Wer heute 35 Jahre alt ist und in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt, wird im Rentenalter voraussichtlich eine Rente erhalten, die etwa 40 bis 50 Prozent des letzten Nettoeinkommens entspricht. Das ist der pessimistische, aber realistische Ausblick der Rentenforschung. Für ein Leben auf dem gewohnten Niveau reicht das für die meisten Menschen nicht.

Das Rentenlücken-Problem

Die sogenannte Rentenlücke – die Differenz zwischen gesetzlicher Rente und dem benötigten Einkommen im Alter – ist für Millennials aus mehreren Gründen größer als für ältere Generationen:

  • Unterbrochene Erwerbsbiografien durch Studium, Elternzeit, Selbstständigkeit
  • Niedriglohnphasen in frühen Karrierejahren (Praktika, Projektarbeit)
  • Demografischer Wandel: Immer weniger Einzahler finanzieren immer mehr Rentner
  • Gestiegene Lebenserwartung: Das Geld muss länger reichen

Die Macht des Zinseszinseffekts

Der wichtigste Faktor bei privater Altersvorsorge ist Zeit. Wer mit 30 Jahren monatlich 200 Euro in einen breit gestreuten Aktienindex investiert und eine durchschnittliche Rendite von 6 Prozent pro Jahr erhält, hat mit 67 Jahren etwa 280.000 Euro. Wer erst mit 45 beginnt, hat bei gleicher monatlicher Rate nur rund 90.000 Euro – trotz gleicher Gesamteinzahlung. Der Unterschied: Zinseszins.

ETF als einfacher Einstieg

Für die meisten Menschen ohne Finanzexpertise sind breit gestreute Index-ETFs (Exchange Traded Funds) die sinnvollste Form der privaten Altersvorsorge. Sie sind kostengünstig (Kosten oft unter 0,2 Prozent), transparent und ermöglichen Investitionen in hunderte oder tausende Unternehmen gleichzeitig. Ein einfaches Portfolio aus einem weltweiten Aktien-ETF (MSCI World oder MSCI All Country World) reicht für die meisten Anleger aus.

Was nicht hilft

Klassische Lebensversicherungen haben in Niedrigzinsphasen kaum nennenswerte Renditen gebracht. Riester-Rente ist bürokratisch komplex und lohnt sich nur unter bestimmten Voraussetzungen. Immobilien sind eine valide Alternative – aber mit erheblichem Kapitaleinsatz und Klumpenrisiko verbunden.

Wichtig: Jede konkrete Anlageentscheidung sollte individuell geprüft werden. Dieser Artikel ist journalistische Information, keine Anlageberatung. Für persönliche Entscheidungen empfiehlt sich eine unabhängige Finanzberatung (Honorarberater, Verbraucherzentrale).